Auf Einladung von Gesamtprojektleiter Sebastian Wegener und Alzeys Bürgermeister Steffen Jung besuchten die Ortsvorsteher von Dautenheim und Schafhausen mit ihren Vertretern sowie der Ortsbürgermeister von Framersheim mit seinen Beigeordneten die Baustelle des Lilly-Werkes in Alzey. Ziel: sich ein Bild vom Baufortschritt machen, verstehen, was hier entsteht und Antworten auf drängende Fragen mitnehmen, welche die Menschen in den umliegenden Gemeinden bewegen. Denn Fragen gibt es im Zuge der Bautätigkeiten und zu den Auswirkungen nach Inbetriebnahme des Werkes viele, wie die Ortsvorsteher betonen.
Ein Werk, das die Gesundheit verändern kann
Sebastian Wegener machte schnell deutlich, welche Bedeutung das neue Werk hat. Denn in der Volkerstadt wird künftig ein Medikament fertiggestellt, das als "echter Gamechanger" für die Gesundheit vieler, vieler Menschen auf der ganzen Welt gilt, wie Wegener erklärt. Gemeint ist das Lilly-Medikament Mounjaro, das zum einen zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt wird, zum anderen aber auch Menschen mit starkem Übergewicht beim Abnehmen hilft. Die Produktion des Medikaments, die ab Ende 2027 in Alzey erfolgt, umfasst drei zentrale Schritte: Das angelieferte Pulver mit dem Wirkstoff wird mit der benötigten Trägerflüssigkeit in der entsprechenden Dosierung gemischt und anschließend in drei Linien in Ampullen abgefüllt. Anschließend werden die Ampullen in einen Pen eingesetzt, verpackt und auf den Weg zum Patienten gebracht. Jeder Pen kann vier Dosen abgeben, was etwa einer Monatsration entspricht.
Die Produktion erfolgt in großem Maßstab, denn mit Pens „Made in Alzey“ wird später nicht nur Deutschland beliefert werden. Insgesamt werden rund 1.000 qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem neuen Werk benötigt.
Nachhaltigkeit und leise Produktion
Innerhalb der Anlage setzen die Planer auf ein modernes, geschlossenes Kühlkreislaufsystem. Das bedeutet: Kein Lärm, kein Schmutz und auch bei ungünstigen Witterungsbedingungen keine Nebelbildung. Die Betriebsgebäude passen sich den neuesten Produktionsanforderungen, aber auch dem Landschaftsbild an, so Wegener. Hier zahlen sich die vielfältigen Maßnahmen aus, die bereits bei der Planung des Gebäudes berücksichtigt wurden: Erdtöne an der Außenfassade, der Verzicht auf störende Spiegelflächen und ein Gebäudekonzept, das sich optimal in die Landschaft einfügt, machen das Werk Alzey auch für Lilly Deutschland zu einem ganz besonderen Projekt.
Außerdem werden maximal 35 Prozent der Grundstücksfläche versiegelt. Der Rest des Geländes wird begrünt. Große Rasenflächen gehören ebenso zum Gesamtkonzept der Planer wie zahlreiche Bäume, die auf dem Firmengelände gepflanzt werden. Und zwar nicht als Setzlinge, sondern als ausgewachsene Bäume, die das Gelände von Beginn an komplettieren. Alle zulässigen Dachflächen werden mit Photovoltaikanlagen ausgestattet und auch das Thema Dachbegrünung spielt in den Plänen des US-Pharmakonzerns eine große Rolle.
Regenrückhaltebecken für Hochwasserschutz
Bis die in Modulbauweise errichteten Gebäude und das Außengelände mit Atrium und Grünflächen fertiggestellt sind, wird es allerdings noch etwas dauern. "Während der Bauphase wird es auf dem Gelände zwischenzeitlich wie Kraut und Rüben aussehen", erklärt Wegener den Ortsspitzen der umliegenden Gemeinden und verspricht, dass dieser Zustand nicht von langer Dauer sein wird.
Die Anlage selbst beeindruckt nicht nur durch ihre Gestaltung, sondern auch durch ihre Ausmaße: Insgesamt rund 260 Meter lang wird der Komplex aus Büros, Labor, Produktions- und Lagerhallen. Die Regenrückhaltebecken, die für ein 100-jährliches Starkregenereignis ausgelegt sind und die an der Selz liegenden Gemeinden schützen sollen, fassen ein Volumen von 48.000 Kubikmetern Wasser.
Bauweise spart Zeit und reduziert Belastung
Der Rohbau erfolgt in Modulbauweise - kein klassischer Betonbau, sondern eine intelligente Systemlösung. Das reduziert Lärm und Schmutz während der Bauphase erheblich, wie Wegener erklärt. Denn Ziel sei es, so der Lilly-Gesamtprojektleiter, die Menschen in den umliegenden Gemeinden so wenig wie möglich durch die Baustelle zu belasten. "Wir wollen eine gute Nachbarschaft und tun alles, um die Auswirkungen der Bautätigkeit für die Menschen so gering wie möglich zu halten."
Dies gilt insbesondere auch für die laufenden Tiefgründungsarbeiten, das so genannte „Piling“, das den Untergrund für die Gebäude vorbereitet und wegen der Erschütterungen zu zahlreichen Bürgeranfragen an die Ortsspitzen geführt hat. Mit acht Spezialmaschinen werden derzeit täglich 12 Stunden lang Anker in den Boden getrieben. Insgesamt werden rund 3.000 dieser 22 Meter langen Pfähle benötigt, um das neue Lilly-Werk darauf zu errichten.
Um die Rammphase so kurz wie möglich zu halten, wurden fast alle in Europa verfügbaren Maschinen nach Alzey geordert und befinden sich hier im Einsatz. Bis Ende April sollen die Pfahlgründungen abgeschlossen sein. Ursprünglich war geplant, die Arbeiten Ende August abzuschließen. Das hätte aber, so Wegener, eine Belastung für die umliegenden Gemeinden bedeutet, die man unbedingt vermeiden möchte.
Trotz aller vorausschauenden Planung und Rücksichtnahme wird es Phasen geben, in denen auch nachts gearbeitet werden muss, um den engen Zeitplan einhalten zu können. "Natürlich werden wir dabei die Auswirkungen auf die umliegende Bevölkerung im Auge behalten", verspricht Wegener den Verantwortlichen vor Ort. Gleichzeitig werden alle Arbeiten in Bezug auf Dezibelwerte und Bauzeiten genau überwacht.
Bis zu 100 Lastwagen in Hochphasen
Während der Bauphase, wenn die Betonteile für die Hallen und Gebäude der milliardenschweren Hightech-Anlage angeliefert werden, sind zeitweise bis zu 100 Lastwagen pro Tag auf der Baustelle denkbar. Damit der Straßenverkehr nicht beeinträchtigt wird, werden die einzelnen Lieferungen genau geplant und die An- und Abfahrten dementsprechend koordiniert, erklärt der Bauleiter.
Im Anschluss der Präsentation blieb noch Raum für Fragen der eingeladenen Ortsspitzen. Die Projektleitung von Lilly Deutschland und die Vertreter der Gemeinden Dautenheim, Schafhausen sowie Framersheim werden sich künftig regelmäßig austauschen, um über den Baufortschritt, aber auch bei eventuellen Fragen aus der Bevölkerung entsprechend reagieren zu können. Bürgermeister Steffen Jung dankte allen Beteiligten für den offenen Austausch. "Gerade bei einer solchen Großbaustelle, ist es wichtig, die Bevölkerung bestmöglich mitzunehmen, zu informieren und Kontakte aufzubauen. Der offene Dialog schafft Klarheit und Verständnis auf beiden Seiten. Deshalb freut es mich umso mehr, dass man in einigen Wochen wieder zusammenkommen wird, um sich über den Verlauf und die nächsten Schritte zu informieren und für weitere Fragen offen zu sein", so der Stadtchef.